Warum die Spieler nach einem Spiel nicht jedes Wort frustrierter Fans auf die Goldwaage legen sollten

Schaut man ein Fußballspiel im Fernsehen oder gar im Stadion, kann es zu akuten Herzproblemen kommen, sogar zum Herzinfarkt. Das zeigt, wie sehr das bloße Zuschauen physisch und natürlich auch psychisch am Fan zehren kann.

Natürlich ist es noch mal eine ganz andere Liga, wenn man als Spieler die 90 Minuten auf dem Platz verbracht hat, keine Frage. Aber die eingangs erwähnte Tatsache deutet für mich darauf hin, dass der Allgemeinplatz, man solle Interview mit Spielern, nachdem sie sich 90 Minuten lang die Lunge aus dem Leib und das Blut aus dem Kopf gerannt haben, nicht zu ernst nehmen, unbedingt auch auf die Reaktionen von Fans im unmittelbaren Nachgang eines Machts anzuwenden ist.

Fabian Klos ist zweifellos einer, der, wenn er nicht gerade auf dem Feld stünde, auf der Tribüne genauso viel Einsatz zeigen würde. Dass einer wie er, der zu den Spielern zählt, denen man am wenigsten Einsatzbereitschaft absprechen kann, frustriert ist, wenn ihn der volle Fan-Frust trifft, verstehe ich. Wenn du unglücklich einen Punkt abgibst, aber nach 90 Minuten glaubst, alles gegeben zu haben, dann noch mit mosernden Fans zu tun hast, tja, ich kann es jetzt, in der Komfortzone meines Wohnzimmers in der spielfreien Zeit zwischen zwei Spielen, gut nachvollziehen.

Aber das ist keine Einbahnstraße. Nicht umsonst spricht man vom 12. Mann. Nicht umsonst bekennen Spieler immer wieder, wie sehr die Unterstützung von der Tribüne sie motiviert hat. Nicht umsonst kann es zu Herzproblemen kommen beim Fan auf der Tribüne.

Fans leiden mit, sie kämpfen mit, wenn auch in einem anderen Umfang. Aber: Sie sind Teil dessen, was im Club passiert. Sie haben ein Recht auf ihre Meinung, egal, wie scheiße sie sein mag.

Will sagen: Weder sollte man jedes Wort eines Spielers direkt nach dem Spiel auf die Goldwaage legen, noch sollten die Spieler den Fanfrust unmittelbar nach dem Spiel auf die Goldwaage legen. Auch die Fans haben sich verausgabt, und dann bricht sich halt entweder Vorfreude oder Frustration Bahn – im Stadion oder in den Foren, bei Facebook oder bei Twitter.

Also, liebe Spieler des DSC Arminia Bielefeld. Es ist für uns alle grad eine beschissene Phase. Die Fans zahlen Eintritt, reisen euch hinterher, haben ein teures Sky-Abo, lieben das Team, fiebern mit euch mit, geben jede Saison Geld aus für das neue Trikot, für den neuen Schal. Wir haben ein Recht drauf, sauer zu sein. Natürlich müsst ihr euch keine Beleid

Wir haben ein Recht drauf, sauer zu sein, wenn in der 92. Minute ein völlig unnötiger Ausgleich fällt. Wir haben ein Recht darauf, sauer zu sein, wenn wir den Eindruck haben, dass nicht genügend gekämpft wurde. Natürlich ist das nicht immer objektiv und manchmal total unfair. Natürlich müsst ihr euch keine Beleidigungen anhören. Aber so, wie wir es nicht auf die Goldwaage legen sollten, wenn ein Spieler im Tunnel nach 90 Minuten die xte, frustrierende Platitüde von sich gibt oder im Affekt den Scheibenwischer Richtung Tribüne macht, solltet ihr den Frust der Fans nicht überbewerten. Aber ernstnehmen. Weil wir euch und Armina ernstnehmen.

Am Ende, und hier die einzig wahre Platitüde, ist nach dem Spiel vor dem Spiel. Und spätesten vor dem nächsten Spiel stehen wir wieder voll hinter euch. Und dann gibt’s irgendwann auch wieder mal eine Gänsehautentzündung.

Vorschaubild: Screenshot aus diesem Video

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